Wir haben April. Es regnet.
In Nicaragua beginnt die Regenzeit eigentlich in den letzten Maiwochen.
Allerdings regnet es seit Donnerstag, jeden Tag zum Abend hin und heute Morgen.
Wolkenbrüche. Blitze und Donner. Kälte.
Und mit Wolkenbrüche meine ich nicht die Regengüsse aus Deutschland. Regnete es so wie hier, würden die Meteologen eine Sturmwarnung herausgeben.
Und schon wieder Regen....
Es regnet übrigens auch in mein Zimmer, bzw. es tropft von der Decke.
Jetzt wache ich jeden Morgen neben einer Pfütze auf.
Und unsere Straße, die nicht asphaltiert ist, wird jedes Mal zu einem reißenden Fluss, der unüberquerbar ist. Und auch so fließen Sturzbäche die Straßen hinunter, in ganz Estelí.
Letzte Woche Donnerstag gab es den ersten Wolkenbruch. Allerdings zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, als ich hinten auf der Ladefläche eines Pick Ups saß, mit zwei Arbeitskolleginnen.
Herzlichen Glückwunsch.
Durchgeweicht bis auf die Knochen. Alle unsere Arbeitsmaterialien durchgeweicht. Eine Kälte. Dunkelheit. Blitze. Aber anstatt zu verweifeln und zu fluchen, wie ich es in Deutschland gemacht hätte, haben wir gelacht und ins in den Arm genommen und Witze gemacht, über die vorbeifahrenden Autos und die Menschen, die im Trockenen saßen.
Was ist los? Klimawandel?
Und voraussehbar ist hier, dass der vorgezogene Regen zu dieser Zeit eine erneute Dürre ankündigt, denn in den Monaten September, Oktober und November wird es also an Regen und Feuchtigkeit fehlen, so dass die Ernte auch dies Jahr schlecht ausfällt.
Das wiederum führt zu noch höheren Lebensmittelpreisen und das in einem Entwicklungsland.
Auf der anderen Seite schafft es ja auch die Tabakindustrie immer mehr Anbauflächen aufzukaufen, so dass statt Grundnahrungsmitteln wie Mais und Bohnen, nun die sehr nahrhafte Tabakpflanze angebaut wird.
Chemikalien werden ohne Schutz gesprüht. Die Männer arbeiten von früh morgens bis spät abends und verdienen 4 US$, wenn sie Glück haben.
Anstatt zum Eigenkonsum anzubauen.
So viel zu den Wetterphänomenen.
Jetzt hat es wieder aufgehört und wird schlagartig heiß. Klasse.
Und dann fällt bestimmt auch wieder der Strom aus.
Leider hat man mir bereits letztes Jahr meinen Regenschirm geklaut.
Und ich habe auch keine Gummistiefel, aber das braucht man hier auch nicht, die Frauen laufen weiterhin in ihren hochhackigen, offenen Schuhen rum.
Das Leben nimmt weiterhin seinen gewohnten Lauf, wenn mein Hund nun auch etwas mehr stinkt, nach nassem Hund eben.
Dienstag, 20. April 2010
Laura wird selbstständig.
Als ich die Entscheidung getroffen habe, den Arbeitsplatz und die Organisation zu wechseln, habe ich mich ebenfalls dazu entschieden, die Langeweile gegen Ungewissheit zu tauschen.
Was kommt auf mich zu? Eins war fast gewiss, dass ich mehr Arbeit haben würde, mehr Verantwortung. Logisch.
Gut, ganz so genau konnte ich das vorher ja nicht wissen. Ich kann ja nicht voraussehen, wie die neue Organisation arbeitet. Allerdings, schlimmer hätte es eigentlich nicht werden können, noch weniger eigenverantwortliche Arbeit gibt es nicht und noch häufiger im Büro sitzen, als 5 Tage, 7 ½ Stunden geht auch nicht.
Und so sitze ich jetzt hier, in meinem neuen Büro, mit meinen Frauen der FEM, eine Woche intensivster Arbeit liegt hinter mir.
Ich habe euch ja bereits im letzten Blog- Eintrag berichtet, wie meine Arbeit aussieht.
Doch nun haben die Seminare des Projekts sexuelle Gesundheit & sexuelle und reproduktive Rechte begonnen, endlich beginnt die Arbeit mit den Frauen in den Dörfern.
Und es ist unglaublich...... anstrengend...... und schön....
Doch nun haben die Seminare des Projekts sexuelle Gesundheit & sexuelle und reproduktive Rechte begonnen, endlich beginnt die Arbeit mit den Frauen in den Dörfern.
Und es ist unglaublich...... anstrengend...... und schön....
Ich wurde so ziemlich ins Wasser, ins eis- eis- eis- kalte Wasser, gestoßen.
An dem Tag, an dem meine Chefin und ich uns eigentlich um das Konzept des Seminars für den nächsten Tag kümmern sollten, war sie plötzlich in einer scheinbar unendlichen Besprechung.
Fleißig habe ich weiter an sexuell übertragbaren Krankheiten gearbeitet, Informationen gesucht und zusammengestellt.
Dellwarzen. Sifilis. Krätze. Chlamydien. Vaginal- Herpes. Und all die anderen schönen Krankheiten mit ihren klingenden Namen. Plötzlich juckt es einen am Körper, als hätte man selbst Filzläuse.
Und hier ein wenig über sexuelle und reproduktive Rechte und dort über die Selbstuntersuchung der Brüste, um Veränderungen, die auf Brustkrebs hinweisen könnten, festzustellen.
Währenddessen sich meine andere Arbeitskollegin eher um das Logistische, als um die Thematik des Workshops kümmerte.
Um 16 Uhr nachmittags sind meine Compañera Alma und ich dann langsam in Panik ausgebrochen, noch so viel zu tun und vorzubereiten und unsere Chefin kommt nicht wieder. Nicht, dass wir von ihr abhängig sind, aber sie hatte die Informationen und sie ist nun einmal die Koordinatorin.
Und dann irgendwann gegen 17 Uhr die Hiobsbotschaft: „Alma, Laura, ich komme nicht mit!“
Innerhalb dieses Satzes ging somit die gesamte Verantwortung des inhaltlichen Teils und die Durchführung des Seminars auf mich über.
Das hätte ich mir früher nicht träumen lassen, geschweige denn gewollt.
In meiner alten Organisation kam es einmal zu einer unschönen Situation, normalerweise habe ich die anderen während der Seminare immer nur unterstützt, das passte auch zu meinem eigenen Selbstverständnis. Bis ich dann einfach alleingelassen wurde, ohne dass man mir die Methodik und Thematik gegeben hätte. Alleine vor 15 nicaraguanischen Männern, Dorfältesten. Es hat geklappt, ich bin ja nicht auf den Mund gefallen. Aber ich bin bei solchen Dingen gerne Perfektionistin. In meinen Augen war es ein Desaster.
Und nun: noch einmal so etwas, die Verantwortung her zu mir bitte.
Aber ich bin doch nur die kleine, unausgebildete Freiwillige.Ich bin doch noch so jung.
„Mach dir keine Sorgen Laura, das kriegst du hin.“
Na gut, die beiden wissen nicht, dass mein Selbstbewusstsein und mein Selbstvertrauen bei solchen Aufgaben und Herausforderungen gerne hinter mir herkriecht und sich versteckt. Ich stapel gerne tief. Generell kann ich gar nichts. Und keine Mama zum sich Ausheulen über seine eigene Nichtigkeit um sich noch kleiner zu machen, als ich bin.
Wie war das? Du wolltest Arbeit und Verantwortung? Da hast du sie.
Aber doch nicht so viel bitte.
Innerlich habe ich ein wenig geweint. Aber Alma erklärte mir, dass die Frauen uns nicht prüfen, sondern von uns lernen wollen, außerdem hätten sie selbst so geringe Kenntnisse, dass all unser Wissen ihnen behilflich sein werde.
Perfekt. So saß ich dann noch bis 19.20 Uhr im Büro.
Schnell die wichtigsten Informationen präsentierfertig auf DIN-3 Pappe niedergeschrieben, mit meinen schönsten Grundschul- Blockbuchstaben (in meinen Ohren hörte ich einen meiner alten Lieblingslehrer sagen „und die i- Punkte nun mit Herzchen verzieren“ - das tat ich nicht).
Meinen Tanzkurs konnte ich mir dann abschminken, wie auch den Schweiß, ob der neuen Herausforderung.
Kleine organisatorische Probleme führten dann dazu, dass wir am nächsten Morgen viel zu spät kamen.
Erst hieß es: um 6.30 an der FEM, dann hieß es „um 7 Uhr holen wir dich zu Hause ab“. Um 7.30 war ich immer noch in meinem Haus, bis dann der Anruf kam „Laura, fahr bitte mit dem Taxi zur FEM“.
Na gut, ich bin ja flexibel, nech? Ich bin ja auch nicht viel zu früh aufgestanden. Habe nicht hastig gefrühstückt und bin nicht nervös.
Meine Gastmutter war sehr sauer: „Diese Unpünktlichkeit und Desorganisation regt mich auf. Ich kann es nicht leiden, wenn sie mich warten lassen, haben wir doch eigentlich einen genauen Termin festgelegt. Laura, sei mal ein bisschen ungehalten, sag ihnen doch mal was. Das können die doch nicht machen.“
Ich war natürlich bereits um 6.50 Uhr bereit zum Aufbruch. Deutsche Pünktlichkeit und Korrektheit. Zumindest, was die Arbeit betrifft.
Das zaubert immer ein Lächeln auf die Lippen meiner Gastmutter und Gastschwester.
Gut, um 9 Uhr sollten wir beginnen. Um 9 Uhr verließen wir gerade Estelí, 1 ½ Stunden Reise vor uns.
Schließlich war ich dann auch für die technische Seite verantwortlich. Mein schon sehr arg gefordertes Netbook, meine Kamera, ein Beamer, Musik.... Nichts vergessen.
Bloß nicht verrückt werden und wegrennen.
Bloß nicht verrückt werden und wegrennen.
Angekommen, alles aufbauen, vorbereiten.
Wie zu erwarten war, sprach ich in den ersten Minuten chinesisches Spanisch, ergo unverständlich, fehlerhaft und einfach komisch.
Aber dann, es löste sich die Anspannung, die Frauen waren sehr freundlich und interessiert, sie hielten mit mir Augenkontakt. Die meisten kannten mich noch nicht, so dass es noch eine anfängliche Scheu gab, laut über Sexualität und Krankheiten zu sprechen und das auch noch mit einer Ausländerin. Doch, poco a poco, also langsam, wurde es lockerer, die Frauen offener, ich offener. Laura in ihrem Element, reden.
Zuerst drehte sich die Arbeit, um unsere Rechte. Und für mich ist es ja schon schwer, sexuelle und reproduktive Rechte zu benennen.
Für mich ist es allerdings schwierig, weil ich diese Rechte für vollkommen selbstverständlich halte.
Das Recht auf sexuelle Bildung.
Das Recht auf sexuelle Gesundheit.
Das Recht, zu entscheiden, wie viele Kinder ich will und ob ich überhaupt Kinder will.
Das Recht auf eine freie Sexualität.
Das Recht auf Privatsphäre.
Das Recht auf freie Partnerwahl und ob ich heiraten möchte oder nicht.
Das Recht, genussvollen Sex zu haben.
Das Recht auf freie Wahl der Verhütungsmittel.
Das Recht, zu entscheiden, wann und ob ich sexuelle Beziehungen haben möchte.
Das Recht auf sexuelle Gleichheit und freie Entfaltung.
In unseren Ohren klingt das so logisch und ist so tief verwurzelt in meinen Vorstellungen.
Meine offene Erziehung ist, meines Erachtens auch für Deutschland eine Besonderheit, mit 12 wurde ich aufgeklärt. Meine Mutter hat mich aufgeklärt und mit dem Märchen von Bienchen und Blümchen Schluss gemacht, wenn ich das auch schon vorher wusste, durch die Schule.
In der Schule lernen wir all das, was die Eltern uns nicht erzählen wollen. Sexuell übertragbare Krankheiten. Die sexuellen Organe. Rechte. Schwangerschaft. Verhütungsmethoden und wie man ein Kondom benutzt. In unserem Alter haben wir vielleicht noch darüber gelacht und kindische Witze gemacht. Sexualität war ieeeh baah.
Aber hier? Eltern fühlen sich meist peinlich berührt, erst recht den Mädchen wird doch nicht auch noch beigebracht, wie sie Sex haben können, dass kommt ja schon früh genug, wenn die älteren Männer sie verführen. Auch wenn die Frau ja eigentlich jungfräulich in die Ehe gehen sollte.
Und die Frauen bilden sich dann hier eben selbst ein Urteil über das plötzliche Blut in der Unterhose, wie es meine Arbeitskollegin ausdrückt, sie wusste nicht, was das war und warum.
Und die Frauen bilden sich dann hier eben selbst ein Urteil über das plötzliche Blut in der Unterhose, wie es meine Arbeitskollegin ausdrückt, sie wusste nicht, was das war und warum.
Natürlich, die Zeiten ändern sich. Heute übernehmen zumeist ältere Geschwister die Aufklärung.
Allerdings mit dem, was sie wissen. Das heißt der große Bruder erklärt dem kleinen Bruder die Sache mit dem Sex und warum das Kondom echt uncool ist, das ist ja nicht männlich und fühlt sich nicht so gut an. Der Machismus wird von Generation zu Generation weitergegeben. Von den Müttern an die männlichen Kinder, für sie wird gekocht, ihnen wird serviert, alles erlaubt, während das Mädchen ebenfalls im Haus bleibt und kocht und putzt und wäscht und nicht feiern gehen darf.
Allerdings mit dem, was sie wissen. Das heißt der große Bruder erklärt dem kleinen Bruder die Sache mit dem Sex und warum das Kondom echt uncool ist, das ist ja nicht männlich und fühlt sich nicht so gut an. Der Machismus wird von Generation zu Generation weitergegeben. Von den Müttern an die männlichen Kinder, für sie wird gekocht, ihnen wird serviert, alles erlaubt, während das Mädchen ebenfalls im Haus bleibt und kocht und putzt und wäscht und nicht feiern gehen darf.
Da sind wir dann beim nächsten Problem angelangt. Frauen, die Verhütungsmethoden anwenden wollen, gelten recht schnell als Schlampen. Warum sonst wollen sie ein Kondom benutzen oder die Pille nehmen? Das steht schließlich auch nicht in der Bibel, das mit der Verhütung. Und wenn, dann weiß es das ganze Dorf. „Und hast du schon gehört? Die Maria kauft sich Kondome. Na wenn das Juan wüsste.“
Und warum sollte eine 40-jährige Witwe noch einmal eine sexuelle Beziehung haben oder sich neu verlieben? Das würde das Dorf auch nicht gut finden. Sie wäre ja verrückt, hat doch ihre Kinder.
Das waren einige Aussagen der anwesenden Frauen von 20 bis 77 Jahren. Das ist Nicaragua.
Mildred, 20 Jahre, lächelt mich schüchtern an, sie scheint das Thema Sexualität und sexuelle Rechte und sexuell übertragbare Krankheiten nicht so ganz zu interessieren, das ist ihr eher peinlich. Als hätte sie noch nie Sex gehabt oder einen nackten Penis gesehen, geschweige denn ihre Geschlechtsorgane.
Wir haben große Zeichnungen der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane an die Wand gehängt, um daran einige Krankheiten zu erklären etc.
Mildred ist deutlich sichtbar schwanger, weiß aber nicht in welchem Monat sie ist, 5. oder 7. vielleicht, sagt sie mit einem leicht genervten und abweisenden Ton – das ist auch Nicaragua.
Und Mildred ist ja schon überdurchschnittlich alt, um ihr erstes Kind zu bekommen.
Verheiratet ist sie nicht. Später sitzt sie im Auto neben mir, auf dem Schoß ihrer Mutter. Sinnbildlich. Gerade dem Schoß ihrer Mutter entflohen und nun ist sie verantwortlich für ein kleines Lebewesen in ihrem Bauch, dass sie offensichtlich nicht will, für das sie offensichtlich noch nicht bereit ist, sie ist selbst noch Kind.
(Wie ich mich erst jedes Mal fühle, wenn ich einer 15-jährigen werdenden Mutter gegenüberstehe)
Ich würde zwischendurch gerne laut schreien, all diese Erfahrungen, all diese schlimmen Geschichten der Frauen, diese Ungerechtigkeit und die Unmündigkeit der Frauen, bedingt durch dieses patriarchalische System. Und ich, aus einer anderen, fremden und weit weit entfernten Welt.
Was würde ich dafür geben, diesen Frauen ein Stück Hoffnung geben zu können: kämpft für eure Freiheit, lasst euch nicht weiter gefallen, dass sie eure Rechte mit den Füßen treten, denn es lohnt sich.
Was würde ich dafür geben, diesen Frauen ein Stück Hoffnung geben zu können: kämpft für eure Freiheit, lasst euch nicht weiter gefallen, dass sie eure Rechte mit den Füßen treten, denn es lohnt sich.
Ich stelle mir vor, dass es so in der Steinzeit gewesen sein könnte. Die Frau hat zwischen 5 und 7 Kindern. Die Frau steht bereit, wenn der Mann seinen Bedürfnissen nachgehen möchte.
Einige Frauen sind dabei, die nicht lesen und schreiben können, für sie ist das ganze Thema und die Mitarbeit noch einmal schwieriger.
Und womit rühmt sich Nicaragua? Die Analphabeten- Quote ist sehr niedrig. Bei unter 4 %. Wurden etwa nur die Bürgerinnen und Bürger gezählt, die in den Städten wohnen?
Wie ist es aber in Loma Fría, nahe der honduranischen Grenze in den hohen Bergen, wo eine Piste ins Dörfchen führt, eine halbe Stunde von der Panamericana entfernt. Einmal am Tag kommt ein Bus vorbei. Kein Strom, kein Wasser.
Was mir immens hilft, um die Distanz zwischen Deutschland und Nicaragua zu überbrücken, sind Vergleiche.
Hey, ich bin eine Frau, wie ihr.
Hey, ich bin eine Frau, wie ihr.
Ich kämpfe mit euch gegen die gleichen Probleme.
Die Männer in Deutschland sind anders, eindeutig, aber ich lebe mit euch in Nicaragua, seit 8 Monaten, und ich kenne die nicaraguanischen Männer nun zur Genüge.
Und ist das nicht schlimm?
Ist das nicht schlimm, dass ich nun genauso desillusioniert bin, wie sie?
Dass ich ohne mit der Wimper zu zucken, ebenfalls glaube oder weiß, dass 99 % der Männer Machos sind, ihre Frauen schlecht behandeln, schlagen, ausnutzen, untreu sind, sie verlassen für eine andere, sie als ein Sexobjekt betrachten?!? Dass für sie die Worte Liebe, Verantwortung, Vertrauen und Ehrlichkeit nicht existieren.
Liebe machen ist nicht Liebe empfinden. Auch wenn die nicaraguanischen Wörter das implizieren: Amor y hacer el amor.
Mit den Männern muss verhandelt werden, dass sie doch bitte ein Kondom benutzen.
Die Frauen sind sich bewusst, dass die meisten ihrer Ehemänner noch mehrere andere Geliebte haben. Herzlich willkommen sexuell übertragbare Krankheiten und herzlich willkommen, Werteverfall der Wörter Liebe, Treue, Vertrauen.
In was für einer Welt leben die Frauen hier?
In einer traurigen, hoffnungslosen.
Der Weg zur Emanzipation, zur Unabhängigkeit und Freiheit
Immerhin, in der Schule ist die sexuelle Aufklärung derweil Pflicht.
Andererseits, gibt es da die Kirche, die strikt gegen die therapeutische Abtreibung ist und internationale Institutionen, die predigen: „Kampf gehen HIV/ AIDS mit Abstinenz und Treue.“
Andererseits, gibt es da die Kirche, die strikt gegen die therapeutische Abtreibung ist und internationale Institutionen, die predigen: „Kampf gehen HIV/ AIDS mit Abstinenz und Treue.“
Anstatt: „Benutzt ein Kondom, um euch vor AIDS zu schützen.“
Hallo, Realität, wo bist du?
Die Ehefrauen sind zumeist treu, aus Angst vor der Eifersucht des Mannes, aus Angst vor häuslicher Gewalt. Außerdem wäre sie schon bei jeder kleinsten Kleinigkeit im Dorf verschrien, als untreue Frau, als Schlampe.
Der Mann allerdings, der mehrere andere Geliebte hat - das ist normal. Das wird von allen akzeptiert. Er könnte somit seine Frau leicht mit dem HI- Virus infizieren.
Und das ist die Basisarbeit. „Frauen, ihr habt das Recht, euch von eurem Ehemann zu scheiden, wenn er untreu ist oder wenn ihr ihn nicht mehr liebt. Und ihr habt ein Recht, zu verhüten. Und wenn ihr keine sexuellen Beziehungen haben wollt, dann müsst ihr auch das nicht, es ist nicht eure Pflicht, dem Ehemann bereit zu stehen wenn ihr wollt. Er hat euch als Frau, so wie ihr seid, zu respektieren“ Und vieles, vieles mehr.
Was ich an den nicaraguanische Frauen aus den Dörfern so schätze, ist, dass sie unheimlich großherzig und herzlich sind und dass sie dankbar für das neue Wissen sind. Dass sie sich mir gegenüber öffnen und mich aufnehmen in ihren Kreis, wie eine Freundin.
So haben wir während des Seminars mit 22 Frauen die Selbstuntersuchung der Brust zur Krebsvorsorge geübt.
Würde ich ein solches Seminar in Deutschland geben, wäre ich erstmal die 20-jährige unqualifizierte Abiturientin und dann wäre ich auch noch bescheuert, würde ich eine 30-jährige Frau bitten, sich vor mir bitte einmal die Brust zu untersuchen (natürlich angezogen).
Und hier? Erst etwas peinlich berührt und dann haben es alle gemacht. Wir haben gelacht und die Selbstuntersuchung durchgeführt. Und ausnahmslos alle Frauen haben mitgearbeitet, es war für sie selbstverständlich und vor allem wertvoll.
In der abschließenden Evaluation ging es darum, was den Frauen am Seminar am meisten gefallen habe.
Es habe ihnen eigentlich alles sehr gut gefallen, aber die Selbstuntersuchung wäre das Wichtigste dieses Tages gewesen. So würden sie sich selbst besser kennen lernen, hätten ein Instrument kennengelernt, mit dem sie sich selbst schützen können, etwas Praktisches, dass ihnen hilft.
Hier in Nicaragua kostet eine Mamografie 100 $, das kann eine Frau aus einem Dorf, die von ihrem selbst angebauten Obst und Gemüse und ihrem eigenen Vieh lebt und mit viel Glück 50 $ verdient, nicht bezahlen. Durch unser Projekt können wir in Einzelfällen helfen.
Denn nebenbei nehmen wir Abstriche für Humane Papilomviren und andere Geschlechtskrankheiten und in Fällen, in denen eine Krankheit festgestellt wird, können wir den Frauen die Unterstützung gewährleisten, in die Hauptstadt zu fahren, um eine Untersuchung bei einem Fachmann durchführen zu lassen.
Denn nebenbei nehmen wir Abstriche für Humane Papilomviren und andere Geschlechtskrankheiten und in Fällen, in denen eine Krankheit festgestellt wird, können wir den Frauen die Unterstützung gewährleisten, in die Hauptstadt zu fahren, um eine Untersuchung bei einem Fachmann durchführen zu lassen.
Meine Arbeit macht mich glücklich und zeigt mir, wie wichtig die Nichtregierungsorganisationen hier in Nicaragua sind.
Sie verhilft mir dazu, über meinen materiellen Reichtum und über das deutsche System reflektierter nachzudenken. Ich kann wirklich froh sein, dass ich all das habe und dass ich zum Arzt gehe, wenn mich hier der große Zeh zwickt oder da der Husten quält, aber hier?
Doch was hier zählt, dass ist die Solidarität unter den Frauen.
Wir kämpfen gemeinsam für eine bessere Zukunft. Wir helfen uns, dort wo wir können. Wir sind füreinander da, wir sind eine Gemeinschaft, wir hören zu.
Gerade eben war wieder so ein Moment.
Doña Inés kommt aus Managua wieder und stattet uns hier in der FEM einen Besuch ab, sie war bei einem Spezialisten und hat sich eine Mamografie machen lassen, dank meines Projekts.
Wir kennen uns seit ein paar Wochen, letzte Woche war ich in ihrer Gemeinde und habe das Seminar gehalten. Davor war sie mehrmals zu Besprechungen hier in der FEM.
Sie schenkt mir ein Lächeln, kommt ins Büro und gibt mir ein Begrüßungsküsschen auf die Wange. Und dann umarmt sie mich, fester und länger als sonst, glücklich, dass sie gesund ist. Und aus Freundschaft.
Wie schön ist dieses Gefühl. Ich, die 20-jährige deutsche Abiturientin, die ab und zu an Heimweh leidet und sich manchmal fremd in diesem Land führt, mit ihren Ansichten und Vorstellungen vom Leben, die hier so fernab der Realität sind. Aber ihre Aufgabe gefunden hat.
Und in diesem Fall Doña Inés, eine 45- jährige Frau, Mutter von Mildred aus Loma Fría, in der Führungsdirektive der FEM, organisierte Frau und Kaffee- Anbauerin aus Nicaragua, die mich diese Solidarität der Frauen der Fundacion entre Mujeres spüren lässt.
Und das macht Stress und viel Arbeit ganz schnell wett.
Wir wachsen durch die an uns gestellten Herausforderungen.
Ich wachse über mich hinaus, gewinne an Selbstvertrauen und an Stärke.
Laura wird selbstständig.
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