... mein Handy wurde mir geklaut, weswegen ihr mich nicht mehr unter der "alten" Nicaragua-Nummer erreichen koennt.
Ich habe es aber heute geschafft,trotz viel Arbeit heute und gestern, mir ein neues zu besorgen, die neue Nummer ist: (+505)88526440!
Achja, und macht euch keine Sorgen, wenn also ein Mann in den letzten Tagen geantwortet hat, dann war das der Dieb ;)
Bald gibts erfreulichere Neuigkeiten!!
Mittwoch, 23. September 2009
Donnerstag, 17. September 2009
Mittwoch, 16. September 2009
Arbeitsalltag
Mein erster Arbeitstag begann auf nicaraguanische Art und Weise.
Terry hatte es sich so gedacht, dass alle Organisationen, in denen für ein Jahr ein Freiwilliger arbeiten wird, einen Verantwortlichen schicken, diese sich am Montag treffen, um noch einmal alles Wichtige unseres Vertrages zu besprechen und um 9.15 Uhr sollten wir Freiwilligen dann dazukommen.
Als ich um neun Uhr mit meiner Gastmutter das Haus verließ, war ich schon sehr nervös und hatte bereits Angst, ich könnte zu spät kommen, schließlich hatte ich nur noch 15 Minuten, eigentlich wollte ich ja gerne schon um 9.10 da sein.
Als ich um 9.10 dann mit Henning in der Stadt auf ein Taxi wartete, bin ich langsam hysterisch geworden. Was würde das denn für einen Eindruck machen, wenn ich und Henning als einzige am ersten Tag zu spät kommen. Und, wie es auch nicht anders zu erwarten war, natürlich war die Innenstadt Estelís verstopft vom morgendlichen Verkehr. Alle 30 Sekunden schaute ich angespannt auf die Uhr, Henning wurde langsam von meiner Aufregung angesteckt. Um 9.16 waren wir dann auf der richtigen Straße, auf dem Bürgersteig liefen gerade noch andere Freiwillige unserer Gruppe in Richtung Treffpunkt, das beruhigte mich nicht unbedingt, ging es schließlich um den Eindruck, den vor allem ich hinterlassen würde.
Um 9.18 war ich dann endlich da. Lisa saß draußen auf den Steinen und wartete bereits seit 9 Uhr.
„Puh, wir sind nicht die letzten. Gott sei Dank. Hat Terry schon nach uns gefragt?“, waren meine ersten Worte. Lisa fängt an zu lachen. „Ach, Quatsch, es sind von den 8 Organisationen gerade mal 2 da und die sind auch beide erst um 9 gekommen.“
In meinem Kopf sagte eine erleichterte und zugleich schadenfrohe Stimme „Laura, beruhige dich. Du bist in Lateinamerika. Da existiert das Wort Pünktlichkeit erstmal nur im theoretischen. Also: entspann dich und nimm das Ganze nicht zu ernst.“
Langsam trudelten auch die anderen Freiwilligen ein.
Um 9.30 kam ein weiterer von einer Organisation. Und um 10, zwei Stunden nach dem vereinbarten Termin. Um 10.30 kamen gleich zwei Organisationen. Und um 11.20 kam dann eine Frau, die sich nach einer Laura Isabel erkundigt. Meine Organisation. Kurze Verwirrung.
Ob wir dann jetzt zu INPRHU fahren würden.
Nein, eigentlich sei eine Besprechung im Gange.
Oh, ob sie da auch hinmüsse.
Ja. Terry warte schon.
Seit wann?
Seit 8 Uhr.
Oh. Da sei sie wohl 2 1/2 Stunden zu spät.
(Hier sei hinzuzufügen, dass sie nichts dafür konnte, denn sie wurde nicht ausreichend von ihrer Chefin informiert)
Die zweite Überraschung war dann, als man mir mitteilte, eigentlich habe man bei INPRHU einen männlichen Freiwilligen erwartet. Nun gut, da bin ich wohl das vollkommene Gegenteil.
Die anfängliche Verwirrung hat meine Mentorin dann aber bei der offiziellen Begrüßung vor allen Anwesenden wieder gut gemacht, als sie mich sehr herzlich begrüßt und sich freut, dass ich nun ein Jahr mit ihnen bei INPRHU arbeiten werde, in dem ich viele lehrreiche Erfahrungen machen werde und wir mit Sicherheit viel voneinander lernen können.
Nun zu meiner wirklichen Arbeit. INPRHU heißt, wie bereits früher erwähnt, Instituto de Promoción Humana, ich arbeite in der Arbeitsgruppe „Movilización social para la escolarización“, auf Deutsch wäre das in etwa „Soziale Mobilisierung für die Einschulung“.
Wir, ja, nun gehöre ich offiziell dazu, arbeiten in verschiedenen Bereichen. Zum einen werden neue Klassenräume gebaut, zum anderen wird die Zivilgesellschaft, also Eltern, Lehrer und die „Bürgermeister“ der Kommunen für das Thema Bildung und Schule sensibilisiert.
Das ist gar nicht mal so einfach, auf den Straßen sieht man viele kleine Kinder, die Schuhe putzen oder Kaugummis verkaufen usw. Oder aber einfach zu Hause sind, wenn ihre Eltern in den Zigarrenfabriken arbeiten.
Und obwohl der Schulbesuch in den öffentlichen Schulen gratis ist, können es sich viele Eltern trotzdem nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, denn die Schulsachen müssen ja schließlich auch finanziert werden, Rucksäcke, Hefte, Stifte etc.
Genauso gibt es die Kinder, die bereits arbeiten und deswegen den Grund nicht sehen, warum sie zusätzlich noch den halben Tag in der Schule verbringen sollen, wo sie doch ihren Eltern helfen müssen, Geld zu verdienen.
Auch in diesen Bereichen arbeitet meine Organisation. Kinder aus besonders armen Familien bekommen Rucksäcke und andere Schulsachen geschenkt und die Kinder, die vom „Sitzenbleiben“ bedroht sind, bekommen Reforzamiento, diese „Verstärkung“ kann man sich wie Nachhilfeunterricht vorstellen. Starke Schüler, die sogenannten Brigadistas, werden in Talleres, Workshops, ausgebildet und helfen den schwächeren im Unterricht, sie sollen in Fächern wie Mathematik oder Lesen und Schreiben den Lehrer unterstützen, können und sollen aber auch, wenn sie älter sind, über andere Themen, wie z.B. Gewalt in der Familie, die Rolle von Mann und Frau oder allgemein Werte und Normen sprechen.
Die Brigadistas von heute erinnern an die aus der Zeit der Revolution vor 30 Jahren, damals haben Studenten und Schüler der Oberstufe während der Alphabetisierungskampagne im ganzen Land geholfen, um den Menschen Lesen und Schreiben beizubringen.
Das sind, kurz angerissen, zwei meiner Arbeitsbereiche.
Ich arbeite regulär von Montags bis Freitags von 8 bis 12 Uhr und von 14 – 17.30 Uhr. Diese Zeiten werden aber eher selten eingehalten, das habe ich bereits nach einer Woche festgestellt.
Die ersten zwei Arbeitstage waren ziemlich langweilig, da ich in den Dienstbesprechungen noch nicht wirklich viel sagen kann, da ich einfach noch keine Erfahrung habe. Meine Arbeitskollegen sind dafür aber alle sehr nett und freundlich und erklären mir gerne, was ich wissen möchte. Den ersten Tag habe ich in der Bibliothek unserer Organisation verbracht und mich über die Projekte und die Veröffentlichungen informiert.
Am Mittwoch habe ich bereits um 6.45 Uhr angefangen zu arbeiten, an diesem Tag haben wir in verschiedenen Schulen der Stadt Schulsachen verteilt. Die meiste Zeit werden hierbei allerdings Formalitäten erledigt, das Ganze muss genaustens dokumentiert werden und die Klassenlehrer sind dafür verantworlich, dass auch wirklich die Bedürftigen Material erhalten. Die Direktorin einer kleinen Schule, an der 50 Rucksäcke verteilt werden sollten, hat das Problem auf den Punkt gebracht, es gäbe mehr als 100 Schüler, die in sehr armen Familien leben und Hilfe bräuchten, wie solle sie da die eine so kleine Anzahl an Schülern auswählen?! Und damit hat sie vollkommen recht.
Am nächsten Tag konnte ich dann etwas länger schlafen und das Defizit wieder ausgleichen, das war auch bitter nötig. Denn am Donnerstag hatten wir einen dieser besagten Talleres, mit den Schülern, die Brigadistas werden wollen. Von 10 bis 13 Uhr waren wir in der Schule Bertha Briones und haben mit den Schülern die Thematik erarbeitet. Was ist ein Brigadista? Was sind seine Aufgaben und war erhofft ihr euch davon, Brigadistas zu sein? Für mich waren diese drei Stunden sehr lang, denn wenn 50 Kinder schnell und undeutlich Spanisch sprechen, einige unaufmerksam sind und andere meine volle Aufmerksamkeit einfordern und mich gerne mit Fragen durchlöchern würden, dann bekomme ich (noch) erhebliche Schwierigkeiten mit der Sprache und würde liebend gerne auf Deutsch antworten.
Ein Schüler hat es mir an diesem Tag angetan, erst ist 11 Jahre und heißt José Angel und wird bestimmt ein sehr guter Brigadista werden. Er war der erste, der mich selbstbewusst angesprochen hat, woher ich denn kommen würde und was ich hier machen würde.
Während die anderen auf die besagten Fragen antworteten, sie wollen Kindern helfen, die nicht so gut Lesen und Schreiben können, antwortete er wie ein Erwachsener, es sei ja ein gegenseitiger Lernprozess, in dem beide Seiten voneinander viel lernen würden, vor allem, Respekt und Verantwortung für mein Gegenüber. Für ihn sei diese Aufgabe außerdem eine Selbstverständlichkeit nach dem Gebot der Nächstenliebe des Christentums. Sein Ausstrahlung und seine Überzeugungskraft waren einzigartig in dieser Gruppe und seine Reife hat mich überrascht. Er hat mir zum Schluss alles Gute gewünscht und erhofft sich, dass wir uns vielleicht in einem anderen Taller noch einmal wiedersieht. Das Wort „süß“ oder „niedlich“ wäre hier vollkommen fehl am Platze.
Am Freitag war ich dann das erste Mal in einer der Gemeinden, in Miraflor, einer Schuleinweihung, oder sagen wir eher, bei der Einweihung eines Klassenraums. In den kleinen Dörfern werden alle Altersklassen gemeinsam unterrichtet, es gibt nicht genug Geld, um gleich eine ganze Schule zu bauen, dennoch herrscht zumeist die gleiche Freude bei allen Anwesenden.
Diese Gemeinde hat sich besonders viel Mühe gegeben, die Schule besonders festlich geschmückt und ein besonderes Programm auf die Bühne gestellt. Zweitklässler haben Reggaeton getanzt, ein Mädchen hat ein Gedicht aufgesagt, es gab einen Folkloretanz, einen Kinderchor und Rede von einem Gemeindemitglied, der auch damals in den 80igern bei den ersten Alphabetisierungskampagnen mitgewirkt hat. Auch das Fernsehen hat an diesem Tag gefilmt.
Von den Dorfälteren, oder besser gesagt von den anwesenden Männern, wurde ich ein wenig abschätzend betrachtet, die Frauen und Mädchen waren allesamt neugierig und zurückhaltend, ja schüchtern und die Jungs und jungen Männer waren ebenfalls neugierig und ganz und gar nicht schüchtern.
Hier habe ich auch meine ersten zwei Heiratsanträge erhalten, einer wurde an meine Arbeitskollegin gerichtet, denn der junge Herr hat sich nicht getraut mich anzusprechen, zumal alle auch angezweifelt haben, ob ich überhaupt Spanisch sprechen könne.
Und nachdem meine Arbeitskollegen mir ermöglichen wollten auf einem der Pferde (die hier immer noch allgemeines Fortbewegungsmittel auf dem Land als auch in der Stadt sind) zu reiten, erhielt ich den zweiten. Denn eine Gringa oder eine Chela, wie ich es bin, ist nach Ansicht der Männer nicht in der Lage, alleine auf einem Pferd zu reiten, so hat besagter junger Mann die Situation ausgenutzt und sich hinter mich geschwungen. Als wir aus Sicht- und Hörweite der anderen waren fing er dann ganz harmlos an, mich zu fragen, ob ich verheiratet werde. Über den Heiratsantrag ging es dann bis hin zu meinen schönen Haaren und Lippen und ob ich nicht mit ihm zusammenleben wolle usw. Meine Arbeitskollegen haben danach herzhaft gelacht, so sei das Leben auf dem Land halt, das nächste Mal solle ich doch einfach antworten, ich würde gerne alle Männer der Welt heiraten, deswegen könne ich mich leider nicht entscheiden. Es stellte sich dann des Weiteren heraus, dass er der Sohn des Dorfbürgermeisters war, der deswegen mächtig stolz auf seinen forschen Sohn war. Das beruhte allerdings nicht auf Gegenseitigkeit, weswegen ich das Angebot letztendlich ablehnte.
Nun zurück zu meiner eigentlichen Arbeit: In den nächsten Wochen werde ich auch andere Gemeinden besuchen, darauf freue ich mich, sollten nicht weitere Heiratsanträge folgen.
Außerdem hoffe ich, dass ich in den nächsten Wochen täglich mehr über die Arbeit erfahren werde und dann vielleicht auch wirklich den anderen zur Hand gehen kann und eine aktivere Rolle spielen werde.
Am Freitag gab es nach unserer Rückkehr dann auch noch eine Verabschiedung von einer anderen Freiwilligen, die für zwei Monate bei INPRHU gearbeitet hat und nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge statt zu arbeiten durch Guatemala reisen möchte. Somit bin ich jetzt (erst einmal) die einzige Freiwillige in unserer Organisation. Bei Funarte zum Beispiel sind derzeit mehr als zehn Freiwillige, ebenso wie bei Los Pipitos
Soviel nun erstmal zu meiner ersten, doch schon recht ereignisreichen Arbeitswoche.
Morgen geht es nach einem verlängerten Wochenende dann erstmal weiter. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen werden.
Terry hatte es sich so gedacht, dass alle Organisationen, in denen für ein Jahr ein Freiwilliger arbeiten wird, einen Verantwortlichen schicken, diese sich am Montag treffen, um noch einmal alles Wichtige unseres Vertrages zu besprechen und um 9.15 Uhr sollten wir Freiwilligen dann dazukommen.
Als ich um neun Uhr mit meiner Gastmutter das Haus verließ, war ich schon sehr nervös und hatte bereits Angst, ich könnte zu spät kommen, schließlich hatte ich nur noch 15 Minuten, eigentlich wollte ich ja gerne schon um 9.10 da sein.
Als ich um 9.10 dann mit Henning in der Stadt auf ein Taxi wartete, bin ich langsam hysterisch geworden. Was würde das denn für einen Eindruck machen, wenn ich und Henning als einzige am ersten Tag zu spät kommen. Und, wie es auch nicht anders zu erwarten war, natürlich war die Innenstadt Estelís verstopft vom morgendlichen Verkehr. Alle 30 Sekunden schaute ich angespannt auf die Uhr, Henning wurde langsam von meiner Aufregung angesteckt. Um 9.16 waren wir dann auf der richtigen Straße, auf dem Bürgersteig liefen gerade noch andere Freiwillige unserer Gruppe in Richtung Treffpunkt, das beruhigte mich nicht unbedingt, ging es schließlich um den Eindruck, den vor allem ich hinterlassen würde.
Um 9.18 war ich dann endlich da. Lisa saß draußen auf den Steinen und wartete bereits seit 9 Uhr.
„Puh, wir sind nicht die letzten. Gott sei Dank. Hat Terry schon nach uns gefragt?“, waren meine ersten Worte. Lisa fängt an zu lachen. „Ach, Quatsch, es sind von den 8 Organisationen gerade mal 2 da und die sind auch beide erst um 9 gekommen.“
In meinem Kopf sagte eine erleichterte und zugleich schadenfrohe Stimme „Laura, beruhige dich. Du bist in Lateinamerika. Da existiert das Wort Pünktlichkeit erstmal nur im theoretischen. Also: entspann dich und nimm das Ganze nicht zu ernst.“
Langsam trudelten auch die anderen Freiwilligen ein.
Um 9.30 kam ein weiterer von einer Organisation. Und um 10, zwei Stunden nach dem vereinbarten Termin. Um 10.30 kamen gleich zwei Organisationen. Und um 11.20 kam dann eine Frau, die sich nach einer Laura Isabel erkundigt. Meine Organisation. Kurze Verwirrung.
Ob wir dann jetzt zu INPRHU fahren würden.
Nein, eigentlich sei eine Besprechung im Gange.
Oh, ob sie da auch hinmüsse.
Ja. Terry warte schon.
Seit wann?
Seit 8 Uhr.
Oh. Da sei sie wohl 2 1/2 Stunden zu spät.
(Hier sei hinzuzufügen, dass sie nichts dafür konnte, denn sie wurde nicht ausreichend von ihrer Chefin informiert)
Die zweite Überraschung war dann, als man mir mitteilte, eigentlich habe man bei INPRHU einen männlichen Freiwilligen erwartet. Nun gut, da bin ich wohl das vollkommene Gegenteil.
Die anfängliche Verwirrung hat meine Mentorin dann aber bei der offiziellen Begrüßung vor allen Anwesenden wieder gut gemacht, als sie mich sehr herzlich begrüßt und sich freut, dass ich nun ein Jahr mit ihnen bei INPRHU arbeiten werde, in dem ich viele lehrreiche Erfahrungen machen werde und wir mit Sicherheit viel voneinander lernen können.
Nun zu meiner wirklichen Arbeit. INPRHU heißt, wie bereits früher erwähnt, Instituto de Promoción Humana, ich arbeite in der Arbeitsgruppe „Movilización social para la escolarización“, auf Deutsch wäre das in etwa „Soziale Mobilisierung für die Einschulung“.
Wir, ja, nun gehöre ich offiziell dazu, arbeiten in verschiedenen Bereichen. Zum einen werden neue Klassenräume gebaut, zum anderen wird die Zivilgesellschaft, also Eltern, Lehrer und die „Bürgermeister“ der Kommunen für das Thema Bildung und Schule sensibilisiert.
Das ist gar nicht mal so einfach, auf den Straßen sieht man viele kleine Kinder, die Schuhe putzen oder Kaugummis verkaufen usw. Oder aber einfach zu Hause sind, wenn ihre Eltern in den Zigarrenfabriken arbeiten.
Und obwohl der Schulbesuch in den öffentlichen Schulen gratis ist, können es sich viele Eltern trotzdem nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, denn die Schulsachen müssen ja schließlich auch finanziert werden, Rucksäcke, Hefte, Stifte etc.
Genauso gibt es die Kinder, die bereits arbeiten und deswegen den Grund nicht sehen, warum sie zusätzlich noch den halben Tag in der Schule verbringen sollen, wo sie doch ihren Eltern helfen müssen, Geld zu verdienen.
Auch in diesen Bereichen arbeitet meine Organisation. Kinder aus besonders armen Familien bekommen Rucksäcke und andere Schulsachen geschenkt und die Kinder, die vom „Sitzenbleiben“ bedroht sind, bekommen Reforzamiento, diese „Verstärkung“ kann man sich wie Nachhilfeunterricht vorstellen. Starke Schüler, die sogenannten Brigadistas, werden in Talleres, Workshops, ausgebildet und helfen den schwächeren im Unterricht, sie sollen in Fächern wie Mathematik oder Lesen und Schreiben den Lehrer unterstützen, können und sollen aber auch, wenn sie älter sind, über andere Themen, wie z.B. Gewalt in der Familie, die Rolle von Mann und Frau oder allgemein Werte und Normen sprechen.
Die Brigadistas von heute erinnern an die aus der Zeit der Revolution vor 30 Jahren, damals haben Studenten und Schüler der Oberstufe während der Alphabetisierungskampagne im ganzen Land geholfen, um den Menschen Lesen und Schreiben beizubringen.
Das sind, kurz angerissen, zwei meiner Arbeitsbereiche.
Ich arbeite regulär von Montags bis Freitags von 8 bis 12 Uhr und von 14 – 17.30 Uhr. Diese Zeiten werden aber eher selten eingehalten, das habe ich bereits nach einer Woche festgestellt.
Die ersten zwei Arbeitstage waren ziemlich langweilig, da ich in den Dienstbesprechungen noch nicht wirklich viel sagen kann, da ich einfach noch keine Erfahrung habe. Meine Arbeitskollegen sind dafür aber alle sehr nett und freundlich und erklären mir gerne, was ich wissen möchte. Den ersten Tag habe ich in der Bibliothek unserer Organisation verbracht und mich über die Projekte und die Veröffentlichungen informiert.
Am Mittwoch habe ich bereits um 6.45 Uhr angefangen zu arbeiten, an diesem Tag haben wir in verschiedenen Schulen der Stadt Schulsachen verteilt. Die meiste Zeit werden hierbei allerdings Formalitäten erledigt, das Ganze muss genaustens dokumentiert werden und die Klassenlehrer sind dafür verantworlich, dass auch wirklich die Bedürftigen Material erhalten. Die Direktorin einer kleinen Schule, an der 50 Rucksäcke verteilt werden sollten, hat das Problem auf den Punkt gebracht, es gäbe mehr als 100 Schüler, die in sehr armen Familien leben und Hilfe bräuchten, wie solle sie da die eine so kleine Anzahl an Schülern auswählen?! Und damit hat sie vollkommen recht.
Am nächsten Tag konnte ich dann etwas länger schlafen und das Defizit wieder ausgleichen, das war auch bitter nötig. Denn am Donnerstag hatten wir einen dieser besagten Talleres, mit den Schülern, die Brigadistas werden wollen. Von 10 bis 13 Uhr waren wir in der Schule Bertha Briones und haben mit den Schülern die Thematik erarbeitet. Was ist ein Brigadista? Was sind seine Aufgaben und war erhofft ihr euch davon, Brigadistas zu sein? Für mich waren diese drei Stunden sehr lang, denn wenn 50 Kinder schnell und undeutlich Spanisch sprechen, einige unaufmerksam sind und andere meine volle Aufmerksamkeit einfordern und mich gerne mit Fragen durchlöchern würden, dann bekomme ich (noch) erhebliche Schwierigkeiten mit der Sprache und würde liebend gerne auf Deutsch antworten.
Ein Schüler hat es mir an diesem Tag angetan, erst ist 11 Jahre und heißt José Angel und wird bestimmt ein sehr guter Brigadista werden. Er war der erste, der mich selbstbewusst angesprochen hat, woher ich denn kommen würde und was ich hier machen würde.
Während die anderen auf die besagten Fragen antworteten, sie wollen Kindern helfen, die nicht so gut Lesen und Schreiben können, antwortete er wie ein Erwachsener, es sei ja ein gegenseitiger Lernprozess, in dem beide Seiten voneinander viel lernen würden, vor allem, Respekt und Verantwortung für mein Gegenüber. Für ihn sei diese Aufgabe außerdem eine Selbstverständlichkeit nach dem Gebot der Nächstenliebe des Christentums. Sein Ausstrahlung und seine Überzeugungskraft waren einzigartig in dieser Gruppe und seine Reife hat mich überrascht. Er hat mir zum Schluss alles Gute gewünscht und erhofft sich, dass wir uns vielleicht in einem anderen Taller noch einmal wiedersieht. Das Wort „süß“ oder „niedlich“ wäre hier vollkommen fehl am Platze.
Am Freitag war ich dann das erste Mal in einer der Gemeinden, in Miraflor, einer Schuleinweihung, oder sagen wir eher, bei der Einweihung eines Klassenraums. In den kleinen Dörfern werden alle Altersklassen gemeinsam unterrichtet, es gibt nicht genug Geld, um gleich eine ganze Schule zu bauen, dennoch herrscht zumeist die gleiche Freude bei allen Anwesenden.
Diese Gemeinde hat sich besonders viel Mühe gegeben, die Schule besonders festlich geschmückt und ein besonderes Programm auf die Bühne gestellt. Zweitklässler haben Reggaeton getanzt, ein Mädchen hat ein Gedicht aufgesagt, es gab einen Folkloretanz, einen Kinderchor und Rede von einem Gemeindemitglied, der auch damals in den 80igern bei den ersten Alphabetisierungskampagnen mitgewirkt hat. Auch das Fernsehen hat an diesem Tag gefilmt.
Von den Dorfälteren, oder besser gesagt von den anwesenden Männern, wurde ich ein wenig abschätzend betrachtet, die Frauen und Mädchen waren allesamt neugierig und zurückhaltend, ja schüchtern und die Jungs und jungen Männer waren ebenfalls neugierig und ganz und gar nicht schüchtern.
Hier habe ich auch meine ersten zwei Heiratsanträge erhalten, einer wurde an meine Arbeitskollegin gerichtet, denn der junge Herr hat sich nicht getraut mich anzusprechen, zumal alle auch angezweifelt haben, ob ich überhaupt Spanisch sprechen könne.
Und nachdem meine Arbeitskollegen mir ermöglichen wollten auf einem der Pferde (die hier immer noch allgemeines Fortbewegungsmittel auf dem Land als auch in der Stadt sind) zu reiten, erhielt ich den zweiten. Denn eine Gringa oder eine Chela, wie ich es bin, ist nach Ansicht der Männer nicht in der Lage, alleine auf einem Pferd zu reiten, so hat besagter junger Mann die Situation ausgenutzt und sich hinter mich geschwungen. Als wir aus Sicht- und Hörweite der anderen waren fing er dann ganz harmlos an, mich zu fragen, ob ich verheiratet werde. Über den Heiratsantrag ging es dann bis hin zu meinen schönen Haaren und Lippen und ob ich nicht mit ihm zusammenleben wolle usw. Meine Arbeitskollegen haben danach herzhaft gelacht, so sei das Leben auf dem Land halt, das nächste Mal solle ich doch einfach antworten, ich würde gerne alle Männer der Welt heiraten, deswegen könne ich mich leider nicht entscheiden. Es stellte sich dann des Weiteren heraus, dass er der Sohn des Dorfbürgermeisters war, der deswegen mächtig stolz auf seinen forschen Sohn war. Das beruhte allerdings nicht auf Gegenseitigkeit, weswegen ich das Angebot letztendlich ablehnte.
Nun zurück zu meiner eigentlichen Arbeit: In den nächsten Wochen werde ich auch andere Gemeinden besuchen, darauf freue ich mich, sollten nicht weitere Heiratsanträge folgen.
Außerdem hoffe ich, dass ich in den nächsten Wochen täglich mehr über die Arbeit erfahren werde und dann vielleicht auch wirklich den anderen zur Hand gehen kann und eine aktivere Rolle spielen werde.
Am Freitag gab es nach unserer Rückkehr dann auch noch eine Verabschiedung von einer anderen Freiwilligen, die für zwei Monate bei INPRHU gearbeitet hat und nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge statt zu arbeiten durch Guatemala reisen möchte. Somit bin ich jetzt (erst einmal) die einzige Freiwillige in unserer Organisation. Bei Funarte zum Beispiel sind derzeit mehr als zehn Freiwillige, ebenso wie bei Los Pipitos
Soviel nun erstmal zu meiner ersten, doch schon recht ereignisreichen Arbeitswoche.
Morgen geht es nach einem verlängerten Wochenende dann erstmal weiter. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen werden.
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