Freitag 21/08/09
Heute hatten wir zuallererst einen kleinen Sprachtest, um die Gruppen für die Sprachschule festzulegen. Bei den Los Pipitos werden Philipp, Lisa, Fabian, Lasse, Henning, Yamni und ich Unterricht erhalten. Ein Fehler war es aber, dass man uns zusammen in einen Raum an einem Tisch hat sitzen lassen, so das wir uns die ganze Zeit besprochen haben, was natürlich nicht Sinn der Sache war. Terry kam zwischendurch kurz rein, „kein schummeln“, aber es war ja schon fast unvermeidbar und hat nach unserer Methode auch wesentlich mehr Spaß gemacht.
Danach haben wir mit dem Mini- Bus eine Stadtrundfahrt der besonderen Art absolviert. Wir haben uns alle Projekte des Welthauses angeschaut, die es in Estelí gibt. So z.B. „Nuevo Amanecer“, dies ist ein neues Viertel, das nach den verheerenden Folgen von Hurricane Mitch aufgebaut wurde, oder aber neue Brücken über den Rio Estelí, da die alten Brücken vom Hurricane vollkommen zerstört waren, der ganze Norden der Stadt war vom Rest abgeschnitten. In der Stadt begegnen einem zwischendurch ebenfalls einige Häuser aus Backstein, für hier ist das eine Seltenheit, die Häuser der ärmeren Bevölkerung bestehen normalerweise nur aus Holz, teilweise wurde Zement benutzt und was allen Häusern gemeinsam ist, sind die Wellblechdächer. Vor einigen Jahren wurde ebenfalls ein Rundweg ums Bario Rosario angefertigt, damals hatte man sich erhofft, dieser Fußweg würde ebenfalls dazu führen, dass sich dort ein paar kleine Geschäfte ansiedeln, Eisdielen etc., das war nicht der Fall. Doch Terry sieht es realistisch und zugleich optimistisch, dieser Weg wird nun als Fußweg genutzt und manche nutzen ihn auch als Fahrradweg und auch das sei bereits ein Fortschritt. Hierbei sei zu erwähnen, dass die Nicaraguaner, wie auch die Costaricaner, sehr fußfaul sind, die Strecken lieber mit dem Taxi oder Autobus zurücklegen.
Aber das Highlight dieses Tages ist mit Sicherheit unser Abendprogramm, zuerst waren wir in einer angesagten Bar, danach sind wir im Semáforo gewesen, das ist eine Disko, die Ampel heißt.
Dort habe ich meinen nächsten kleinen Kulturschock erlebt- das Wort wird mich und euch noch ein wenig verfolgen- wir waren Zuschauer eines sehr interessanten und einmaligen Wettbewerbs, es war das Finale einer Michael Jackson- Tanzshow, die besten drei, darunter einer aus Estelí haben sich im Michael-Jackson-Imitieren gemessen. Sowas wäre in Deutschland, glaube ich zumindest, unvorstellbar, die drei haben natürlich auch ihm würdige Kleidung getragen und waren alle sehr gut. Doch es ist unvorstellbar, wie enthusiastisch und ausgelassen so ein Event gefeiert werden kann. Natürlich lässt man sich davon anstecken und feiert mit, vor allem Ronny aus Estelí- ein fast perfekter Doppelgänger, mit seinen langen Haaren, wobei eine Strähne ihm ins Gesicht fällt, dunkler Teint, eine Sonnenbrille, ein Sacko und ein weißer Handschuh etc. Lokalpatriotisch, wie die Nicaraguaner sind, hatte er den größten Fanclub, sogar mit Plakaten und kreischenden Mädchen („I love you Ronny“).
Dafür war dies aber auch die erste Möglichkeit, bei der ich tanzen konnte. Auch hier haben wir die Blicke auf uns gezogen, durch unsere riesigen blonden Jungs und uns, so dass es hier zum ersten interkulturellen Austausch kam, weil die Mädchen sich zu uns gesellt haben, anfangs schüchtern, aber dann gab es ausgelassenes Gelächter und Scherze.Eigentlich wollte ich zu diesem Michael- Jackson- Kult gar nicht hingehen und habe mir gedacht, wie verrückt und wie albern so ein Tanzwettbewerb doch ist, letztendlich bin ich sehr froh, dass ich dorthin gegangen bin.
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