Mittwoch, 26. August 2009

Die ersten Tage

17/08/09 – 20/08/09 Meine ersten Tage in Nicaragua waren durchaus sehr chaotisch. Ich möchte hier nur eine kleine Zusammenfassung geben, denn ich bin von den ganzen neuen Eindrücken eher erschlagen worden.

Zu meiner Familie: Am Anfang habe ich noch mit Henning zusammen in „meinem“ Haus gelebt, das war für die Eingewöhnung sehr angenehm. Natürlich durfte ich bereits mehrmals die Erfahrung machen, wie es ist, ohne Wasser auskommen zu müssen. Wenn in einem bestimmten Barrio, wo das Elektrizitätswerk ist, der Strom ausfällt, gibt es in meinem Barrio, dem Barrio Rosario auch kein Wasser, da die Wasserbeförderung elektrisch betrieben wird, so wurde es mir erklärt.

Eigentlich musste ich mich nur in wenigen Dingen wirklich anpassen, die Lebensqualität in meinem Haus ist sehr hoch, wir haben Internet, zwei Computer, Telefon, Fernsehen, mehrere Duschen, viele Zimmer, einen kleinen Garten und ein Atrium, d.h., Küche, Esszimmer und Wohnzimmer sind in einem Raum, aber von allen Seiten offen, es gibt keine Türen und Fenster, das ist sehr angenehm, da so immer ein kühler Wind durch diesen Raum weht. Im Gegensatz dazu ist mein Zimmer ein kleiner Käfig, es gibt ein Bett und einen Schrank und ein Moskitonetz, was für mich überlebenswichtig ist, die Temperatur in meinem Zimmer liegt, trotz Fenster, konstant bei 28 oder 29 Grad, da freue ich mich schon auf den Sommer.

Allgemein muss ich aber sagen, dass ich in einem sehr reichen und gebildeten Haushalt lebe, das ermöglicht mir zwar auf der einen Seite, viele tolle Gespräche führen zu können, Privatsphäre zu haben, auf der anderen Seite ist das nicht wirklich das typische nicaraguanische Leben.
Das Wetter: Trotz der Regenzeit ist es eigentlich konstant schön und warm, schön heißt so viel wie, es scheint ständig die Sonne, bis auf einige wenige Minuten am Tag, wenn es mal etwas regnet. In Costa Rica war die Regenzeit dafür wesentlich schlimmer.

Ungewöhnlich für mich, ich stehe jeden morgen um spätestens 7 Uhr auf, das Leben beginnt eigentlich schon um 6 Uhr, dann ist es noch nicht so heiß, aber schon hell, abends falle ich eigentlich immer totmüde ins Bett, meist schon um 9 Uhr. Zuhause wäre das unvorstellbar, nicht wahr Mama??

Die Woche bestand des weiteren aus vielen Informationen, über unsere Arbeit, das Projekt, Verhaltensregeln usw. An einem Tag sind wir durch die Stadt gelaufen, um uns ein wenig zu orientieren, wo es eine gute Apotheke gibt, wo die deutsche Ärztin ihre Praxis hat, einige Orte, wo junge Leute in unserem Alter sich aufhalten, z.B. in der Casa de la Cultura, dort arbeiten Künstler, Maler, Musiker oder Theatergruppen.

Häufig erntet man schiefe Blicke, eine Gruppe von 15 Cheles fällt doch schon stark auf. Cheles, das sind im Allgemeinen Ausländer, kommt man dann mal mit den Estelíanern ins Gespräch und erwähnt, dass man für ein Jahr bleibt und nicht nur für einige Wochen, ändert sich die Stimmung schlagartig, aus anfänglicher Skepsis entwickelt sich Neugierde für unsere Arbeit und wir werden Willkommen geheißen.

Ein Kulturschock ist sicherlich auch der Verkehr, es gibt da wohl einige Regeln, aber die müssen nicht unbedingt eingehalten werden, wenn man fahren will, hupt man, für Fußgänger wird nicht gebremst, zwischen riesigen amerikanischen Schulbussen und verrückten Taxifahrern und anderen Autos drängen sich Fahrräder und manchmal Cowboys auf ihren Pferden. Es gibt in Estelí sogar Ampeln, allerdings nur ca. 2 Stück am Parque Central.

Das Essen hingegen ist super, auch hier ist meine Familie sehr bewusst, es gibt einen Wochenplan, auf dem festgehalten ist, was es wann zu Essen gibt, dadurch habe ich schon viele typische Gerichte kennen gelernt. Tortillas, aber auch Tamales, eine etwas klebrige, süße Maismasse, Reis mit Bohnen oder Bohnen mit Reis (Gallo Pinto), es gibt jeden Tag verschiedene Fruchtsäfte, Maracuja, Pitaya, Limone.

Aber an was ich mich am meisten gewöhnen muss, ist unsere Haushälterin Rosita, ich bin es nicht gewöhnt, dass man mir das Essen serviert und mir zu Trinken eingießt, oder das Zimmer putzt. In den ersten Tagen haben Henning und ich immer den Tisch gedeckt oder das Geschirr abgetrocknet, aber Rosita wehrt sich dagegen, sie habe ja sonst keine Arbeit mehr. Sie ist 24 Stunden in unserem Haus, ihre Familie und ihre Kinder leben in einem anderen Ort. Ihre 18-jährige Tochter hat bereits ein kleines Kind und kümmert sich gleichzeitig noch um ihre jüngeren Geschwister und ihre Großmutter, die 76 Jahre alt ist. Im Moment ist es teilweise noch relativ schwierig Rosita zu verstehen, sie spricht sehr schnell und undeutlich, aber das wird sich mit der Zeit hoffentlich auch ändern. Als wir einmal am Tisch saßen, haben wir über Bildung und Schule geredet, Rosita sagt selbst von sich, dass sie nicht weiter lernen und studieren wollte, das mache ihr keinen Spaß und sei langweilig, sie koche lieber und arbeite.

Arlin z.B. hat auch schon mit 11 Jahren gearbeitet, um für die Familie Geld zu verdienen, sie ist dann aber auch durch die Hilfe von INPRHU, die Organisation, in der ich bald arbeiten werde, schließlich zur Schule gegangen, hat hier in diesem Haus als Haushälterin gearbeitet, um weiter Geld zu verdienen, und jetzt ist sie schon bald mit ihrem Studium fertig.
Meine Gastmutter ist leider aufgrund ihrer Arbeit viel unterwegs, aber wenn sie da ist, haben wir interessante Gespräche.

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